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Rückblick
Nach Inbetriebnahme der Startbahn 18 West (1984) reduzierte sich
der Kampf gegen eine weitere Zunahme des Luftverkehr im Rhein
Main Gebiet auf wenige Gruppen. Die Interessen-gemeinschaft zur
Bekämpfung des Fluglärms (IGF) unter Vorsitz von Professor
Denk, Rüsselsheim, die Bürgerinitiative gegen den Flughafenausbau
Frankfurt/M in Mörfelden-Walldorf und die Erzhäuser
Bürger gegen den Ausbau des Luftlandeplatzes Egelsbach kämpften
neben den örtlichen BUND Gruppen und Grünen KommunalpolitikerInnen
gegen Ausbauten (Terminal II, Cargo City Süd, Lufthansa Schulungsgebäude)
und Lärm des Triebwerksprüftstandes.
Mit der Rückgabe von Teilen der 170 ha Gelände im Süden
durch die US Armee entstand erstmals wieder größerer
Widerstand. Im Herbst und Winter 1994/95 gab es erste Demonstrationen
und Veranstaltungen gegen die Zerstörung von 30 ha Wald,
800 Meter entfernt von den ersten Wohnungen in Walldorf. Auch
in Frankfurt Oberrad bildeten sich neuer Widerstand gegen Lärm
und Absturzbedrohung.
Die im Oktober und November 1997 wiederholten
Forderungen von Lufthansa Vorstandsvorsitzenden Jürgen Weber
nach einer weiteren Piste in Frankfurt führte schlagartig
zu einer erneuten Auseinandersetzung.Vor allem die Bevölkerung
zwischen Hanau und Frankfurt, die seit Jahren im Dauerlärm
leben muß, erkannte die zusätzliche Bedrohung ihrer
Gesundheit.
Erste Informationsveranstaltungen der Bürgerinitiativen
und die Foren, veranstaltet von der Frankfurter Rundschau, führten
zwischen November 1997 und März 1998 zur Gründung von
8 weiteren Bürgerinitiativen. Am 5. März 1998 gründete
sich in Frankfurt unter Beteiligung von GRÜNEN Landes- und
Kommunalpolitikern, Vertreter(n)Innen von Naturschutzverbänden
das Bündnis der Bürgerintiativen. Der Name, ist gleichzeitig
die zentrale Forderung:
KEIN FLUGHAFENAUSBAU - FÜR EIN
NACHTFLUGVERBOT.
Zahlreiche Veranstaltungen im Frühsommer
1998 vergrößerten den Protest, so daß es Ende
1998 bereits 26 Gruppen im Rhein-Main Gebiet gab, die sich gegen
den weiteren Ausbau des Flughafens in Frankfurt, WI-Erbenheim
und Egelsbach wenden.
Mediation
Die Hessische Landesregierung reagierte
auf diese Entwicklung frühzeitig. Ministerpräsident
Eichel (SPD) berief eine Beratergruppe "Flughafen" ein,
versäumtes es jedoch von Anbeginn, die Bürgerinitiativen
mit einzubeziehen. Infolgedessen rief Ministerpräsident Eichel
die sogenannte Mediation ins Leben, um den drohenden Konflikt
zu entschärfen. Die Grundlage dieses Verfahrens ist der u.a.
von Dr. Sewering (Staatskanzlei) ausgearbeitete Mediationsvertrag.
Dieser war am 18. Mai 1998 fertig, wurde den Bürgerinitiativen
jedoch erst am 19.Juni 98 zugestellt, mit der kurzfristigen Bitte,
bereits Anfang Juli an der Mediation teilzunehmen.
Die Bürgerinitiativen diskutierten,
zum Teil sehr kontrovers, das für und Wieder der Mediation
und erläuterten im Gespräch mit den Mediatoren Hänsch,
Oeser und Niethammer am 18. August 98 die u.a. notwendigen Voraussetzungen
zur Teilnahme am Verfahren:
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das Ergebnis muß offen
sein, damit auch eine Null-Lösung möglich ist |
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das Ergebnis muß bindend für
die Landesregierung sein |
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der Konfliktgegenstand (geplante Baumaßnahme)
muß in der Mediation benannt sein |
Die Bürgerinitiativen um Flughafenumland
sind seit Jahren betrogen und belogen worden. Es besteht kein
Vertrauen in Aussagen der Regierung oder des Flughafenbetreibers
oder der Deutschen Lufthansa.Voraussetzungen für Gespräche
sind vor allem Beweise, daß es der Verhandlungspartner ehrlich
und ernst meint. Die Erfahrungen der "broken promises"
muß vor der Mediation glaubhafte Aussagen entgegen gestellt
werden.
Die Antwort hierauf dauerte über fünf
Monate. Ende Januar 1999, eine Woche vor der Landtagswahl erneuerten
die Mediatoren das Angebot zur Mediation, ohne jedoch mit nur
mit einem Wort auf die grundsätzlichen Fragen der Bürgerinitiativen
eingegangen zu sein. Die Mediatoren und die Landesregierung spricht
daher mit zwei Zungen: einerseits fordern sie öffentlich
die Teilnahme der Umweltschützer, andererseits sind sie mit
keinem Jota deren Vorstellungen über ein Verfahren entgegen
gekommen.
In der Öffentlichkeit versuchten jedoch
die führenden Landespolitiker von SPD, CDU und FPD wiederholt
die Bürgerinitiativen zu diskreditieren. Die Mediation wurde
quasi zur Zwangsveranstaltung erklärt, wer an diesem Verfahren
nicht teilnehme, sei undemokratisch, provoziere Gewalt oder dem
müßten die Zuschüsse (Naturschutzverbände)
gestrichen werden.
Nachdem alle Versuche die einseitigen Grundlage
der Mediation zu verändern gescheitert waren, erklärten
das Bündnis der Bürgerintiativen Ende September 1998,
das die Initiativen unter den genannten Voraussetzungen (Mediationsvertrag
vom 18.5.98, 23 Seiten, kann angefordert werden) nicht bereit
wären, daran teilzunehmen.
Widerstand wächst schneller
als erwartet
Zwischen Oktober und Dezember 1998 wuchs
die Zahl der Bürgerinitiativen auf 25 Gruppen, wobei der
Schwerpunkt in Frankfurt liegt, sowie in den Einflugschneisen
östlich und westlich der kleinen Metropole.Während des
Landtagswahlkampfes bis 7. Februar 1999 spitzte sich die Auseinandersetzung
weiter zu, wenngleich andere Themen wahlentscheidend wurden. SPD,
CDU und FDP erklärten sich klar zu einem Ausbau des Frankfurter
Flughafen und sehen auch eine Option den Militärflughafen
Wiesbaden Erbenheim mit in die Ausbaupläne einzubeziehen.
Bündnis 90/Die Grünen waren
in ihrer Ablehnung der Flughafenerweiterung differenziert: Sie
lehnen eine Nordbahn im Stadtwald ab, haben jedoch zu Wiesbaden
Erbenheim oder einer Erweiterung der Landekapazitäten auf
dem existierenden Gelände in Frankfurt keine eindeutige Stellungnahme
abgegeben.
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